Bildungsangebote
Wenn die älteren Kinder dienstags morgens in den Kindergarten kommen, wissen sie schon, heute ist „Vorschulgruppe“, ein Angebot nur für sie, die Vorschulkinder. Andere freuen sich besonders auf den Montag, denn da wird gemalt oder gewerkelt.
So gibt es für die Kinder täglich vormittags als auch nachmittags ein Bildungsangebot aus einem bestimmten pädagogischen Bereich. Die Angebote werden von einer Pädagogin vorbereitet und den Kindern entsprechend ihrem Alter und ihren Voraussetzungen angeboten. Sie finden gruppenübergreifend in Kleingruppen von 2-6 Kindern statt. Je nach Inhalt dauert eine Angebotseinheit bis zu einer Stunde.
Inhaltlich orientieren sich die Angebote an dem drei- bis vierwöchig wechselndem Bildungsthema, welches im Zusammenhang mit einer biblischen Geschichte entwickelt wird.
Im Folgenden werden die Angebote von den Pädagoginnen vorgestellt.
Kreativwerkstatt (Susanne Schmitt)
Im Angebot „Kreativwerkstatt“ werden zwei künstlerische Aktivitäten – die Kunst und das Werken – vereint. Im praktisch ästhetischen Tun können Kinder ihre Sinneseindrücke und innere Befindlichkeiten verarbeiten und ihnen Gestalt geben. Sie lernen außerdem ihre Umgebung zu beobachten und den Dingen und Situationen in der Umgebung Bedeutung zu verleihen. Durch bewusste ästhetisch-praktische Erfahrungen, werden die sinnliche Wahrnehmung ausgebildet und gestärkt. In der selbstständigen Auseinandersetzung mit künstlerischen Strategien (z. B. Malen, Zeichnen, Drucken, Schreiben, Collagieren, Formen, Bauen, Konstruieren, Installieren, Montieren) sowie Farben, Formen, Materialien, Oberflächen und Werkzeugen fördern wir das selbstbestimmte Tun, den Aufbau eines eigenen Gestaltungswillens und einer Position zu sich selbst. Im Austausch über die Kunstwerke der anderen Kinder erfahren sie außerdem von anderen Gestaltungs- und Ausdruckswegen, lernen offen und tolerant zu werden und bauen ein wertschätzendes Verhalten gegenüber sich und anderen auf.
Angebot für die Vorschulkinder (Tatjana Groß, Ingrid Schimanowski)
Schulfähigkeit als Vorbereitung auf die Schule meint im eigentlichen Sinne die Vorbereitung auf das Leben, d. h. der Erwerb von Kompetenzen, die Kinder befähigen, mit den neuen Anforderungen der Schule erfolgreich zu meistern und zu gestalten. Ziel des Angebotes „Schulanfänger“ ist es „Kinder so zu fördern und zu erziehen, dass sie beim Schuleintritt aufgeschlossen, selbstständig und gemeinschaftsfähig sind und sich bis dahin Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten erworben haben, welche sie befähigen, auch die für sie neue und unbekannte Schulumwelt zu erfassen und zu bewältigen“ (vgl. Bründel, H. 2001). Mithilfe verschiedener Spiele, spezielle Förderangebote, Arbeitsblätter, Bücher etc. werden bspw. Konzentrationsfähigkeit, Auge-Hand-Koordination, Kenntnis von Farben und Formen, Mengenverständnis, sprachliche Fähigkeiten, das Einhalten von Regeln, Verkehrssicherheit geschult. Durch die Teilnahme an dem Schulanfängerangebot erlangen die Kinder ein Bewusstsein über das anstehende Ende der Kindergartenzeit. Durch den langsam eingeleiteten Ablösungsprozess unterstützen wir die Kinder in ihrem Übergang von der Kita zur Grundschule und tragen durch den Status „Schulanfänger“ zum Aufbau von Selbstbewusstsein bei.
Experimente (Fabienne Grothe, Susanne Widmann)
Der Sinn naturwissenschaftlicher Frühförderung liegt in dem hohen Interesse und in der Neugier der Kinder an Naturphänomenen. Im Angebot „Experimente“ ermöglichen wir ihnen deshalb eine bewusste Begegnung mit physikalischen, chemischen und biologischen Vorgängen und unterstützen so die Entwicklung der Vorstellungen über die Welt. Durch die Entdeckung chemischer, biologischer und physikalischer Phänomene und das selbsttätige Ausprobieren lernen sie, forschend zu lernen und Antworten auf ihre Fragen zu finden. Sie erhalten Einblicke in die Vorgänge, Eigenschaften und Vielgestaltigkeit der Natur. Dabei lernen sie nicht nur, genau zu beobachten, zu vergleichen, zu beschreiben und zu bewerten sowie Informationen zu sammeln und zu ordnen, sondern bauen ein respektvolles Verhältnis zu Natur und Umwelt auf. Darüber hinaus setzen sie sich mit den Gedanken, Meinungen und Einstellungen der anderen Kinder auseinander.
Rund ums Essen (Andrea Ogertschnig)
Das Angebot „Rund ums Essen“ umfasst zwei große Bereiche – den Körper, Gesundheit und Ernährung sowie Natur und Umwelt. Ziel ist es, dass Kinder ein Bewusstsein für ihre regelmäßige Pflege, gesunde Ernährung, den Umgang mit alltäglichen Belastungen bzw. Stress und die Bedeutung eines verantwortungsvollen Umgangs mit der Umwelt ausbilden. Hierfür erhalten sie gesundheitsbezogenes Wissen, werden zu gesundheitsförderlichem Verhalten motiviert und üben es ein. In unserem Nutzgarten erleben die Kinder den natürlichen Ablauf, z. B. den die Pflanzen vom Samenkorn bis zur Frucht und Ernte benötigen und üben sich in der Pflege der Pflanzen über die Jahreszeiten sowie in der Zubereitung der Ernte sowie im angemessenen Umgang mit Lebensmitteln. Sie entwickeln dabei Selbstwert- und Verantwortungsgefühl für ihren Körper und ihre Gesundheit sowie Konflikt- und Genussfähigkeit und entdecken Methoden zur Entspannung. Indem die Kinder unterschiedliche Tiere und Pflanzen in ihrem natürlichen Lebensraum kennen lernen, deren Verwendung erkunden sowie einzelne Naturvorgänge bewusst erleben und sich damit auseinandersetzen (z.B. Säen von Samen, Beobachten, Pflegen und Beschreiben des Pflanzenwachstums / Beobachtung und Umgang mit Tieren) bilden sie außerdem ein Verantwortungsgefühl gegenüber der Natur und Umwelt auf. Darüber hinaus schulen sie ihre Sinne (Riechen, Schmecken), Feinmotorik (Gärtnern, Kochen, Backen) sowie ihr mathematisches Verständnis (Ordnen, Schätzen, Wiegen).
Psychomotorik (Katja Ebert)
“So, wie ich mich fühle, so bewege ich mich!” und „Wie ich mich bewege, so fühle ich mich!“ – aus dieser Wechselwirkung von innerer Bewegtheit und äußerer Bewegung entwickelt sich das Verständnis des Angebotes „Psychomotorik“. Ziel ist, dass sich das Kind in seiner Selbstwirksamkeit erfährt, Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten aufbaut, motorische Potentiale entfaltet und dadurch ein positives Selbstkonzept entwickelt. Durch die Motivation zur Ausführung eigenaktiver Handlungen sowie das Suchen und Ausprobieren neuer Handlungsmöglichkeiten werden spielerisches Lernen, Wahrnehmung und Bewegung verbunden.
Theatherwerkstatt (Susanne Widmann, Tatjana Groß, Fabienne Grothe)
Der frühpädagogische Einsatz von handlungsorientierter Medienpädagogik ist Anbetracht des heutigen Lebens und Lernens in einer Kommunikationsgesellschaft unerlässlich. Um Medien kreativ gestalten und nutzen zu können, machen die Kinder im Angebot „Theaterwerkstatt“ die Erfahrung verschiedener Medienformen in ihrer praktischen Anwendung und bauen Wissen über Medienarten, wie das Buch, die Gestaltung mit Farben und Papier, Film, Hörspielkassetten und Computer auf. In Verbindung mit der Förderung eines kompetenten Umgangs mit Medien steht die Entwicklung der kulturellen Fähigkeiten. Kulturelle Bildung im frühpädagogischen Bereich zeichnet sich aus durch Musik, Bildnerisches Gestalten, Sprache und Spiel und hat eine fachübergreifende, ganzheitliche Entwicklung kultureller Fähigkeiten zum Ziel. Die Theaterwerksatt strebt die Verbindung beider Bereich an, indem sie deren gemeinsame Schwerpunkte – die Förderung der ästhetischen Wahrnehmung, der Ausdrucksfähigkeit und Erlebnisfähigkeit – einander ergänzend einsetzt. Im selbsttätigen Ausprobieren der Medien können Kinder ihre Position zu sich selbst, zu ihrer Umwelt und Lebensumwelt finden.
Turnen (Rosy Lehmann)
Im Bildungsangebot „Turnen“ werden den Kindern über sportübergreifend angelegte und vielseitige Spiele mit und ohne Geräte Erfahrungen ermöglicht. Die Freude der Kinder an der Bewegung wird genutzt, um sie bei der Entwicklung von Sicherheit in der Körperbeherrschung sowie in ihrer Motorik, ihres Selbstkonzepts, ihrer Motivation, ihrer sozialen Beziehungen und in ihrer Kognition zu unterstützen. Weil Bewegung zu Sinneserfahrungen (z. B. Tasten, Gleichgewicht, Sehen, Hören), zur Krankheitsvorbeugung, sozialen und kognitiven Entwicklung (z. B. durch Konzentration, Lernen, Leistung), zur Anerkennung von Grenzen, Selbsteinschätzung, Kooperation, Kommunikation, Aggressionsabbau (z. B. durch Spiel), zum Körperbewusstsein und körperlichem sowie seelischem Wohlbefinden beiträgt, ist sie für die Gesamtentwicklung essentiell.
Rhythmik und Musik (Ingrid Schimanowski, Katja Ebert)
Im Angebot „Rhythmik & Musik“ werden Melodie, Rhythmus, Formverlauf, Dynamik und Ausdruck in Bewegung umgesetzt. Mithilfe des Hörens von Musik, dem Lernen von Liedern, dem selbstständigen Musizieren mit verschiedenen Instrumenten und rhythmischen Bewegungen zur Musik werden Kinder ganzheitlich in ihrem Lernen gefördert. In der Erfahrung der Musik als Ausdrucksmittel werden sie zugleich in der Entwicklung von Körperbewusstsein und Kreativität gefördert.
Langer Donnerstag
Ausflüge, die im Angebot „Langer Donnerstag“ durchgeführt werden, stellen eine abwechslungsreiche, spannende und freudvolle Alternative zum Leben in den Räumen der Kita dar. Sie ermöglichen die Auseinandersetzung mit der alltäglichen Lebenswelt und die unmittelbare Erfahrung des Themas in seinen gesellschaftlichen und sozialen Zusammenhängen. Kinder erhalten während den Ausflügen Einblicke bspw. in Partizipation, Teilhabe und Mitbestimmung, Aufbau der und Leben in der Gesellschaft sowie Unterschiede zwischen den Menschen. Sie erfahren auch, wie Menschen zusammenleben, wie unterschiedlich sie sind, welche gemeinsamen Bedürfnisse sie haben und welche Einrichtungen es dafür gibt. Sie beobachten unterschiedliche Lebensformen und Wohnsituationen. Sie erfahren, zu welchem Zweck es Polizei, Krankenwägen, bestimmte Geschäfte, Arbeitsstätten gibt und welchen Nutzen Verkehrsmittel, Verkehrswege und Verkehrszeichen haben. Parallel werden Kinder fähig, sich selbstständig in der Gesellschaft zu bewegen und lernen welche Rechte sie haben, woher sie Schutz bekommen und was sie tun können, wenn sie verloren gehen.
Portfolio
Ein Portfolio beinhaltet die Bildungsbiografie eines Kindes bzw. macht diese nachvollziehbar. Alle relevanten Dokumente und Materialien (Bilder, Zeichnungen, gebastelte Werke), die Aussagen zu Bildungs- und Entwicklungsprozessen betreffen, werden in einem für jedes Kind angelegten Portfolio-Ordner strukturiert gesammelt. Den vielfältigen Sammlungen werden kurze Reflexionen beigefügt. Betont wird das Produkt und die Prozesse im gleichen Maße, d. h. wie das Kind zum Ergebnis gekommen ist, was seine Lernerfahrung dabei war sowie was Ergebnis und der Weg über erfolgreiche Lernstrategien des Kindes aussagen. Im Angebot „Portfolio“ dient der Portfolio-Ordner als Anlass, um mit dem Kind bspw. über seine Themen, Entwicklungen, Vorlieben und Abneigungen zu sprechen, Geschichten vorzulesen, Seiten zu ergänzen, Soziogramme zu erstellen oder Kommentare zu notieren.
